AB 21. SEPTEMBER: A 1000 TIMES SHOES
Kaum ein anderes Alltagsobjekt wird von Frauen so leidenschaftlich geliebt, gekauft und gesammelt: für viele Frauen gelten Schuhe als mit identitätsstiftend – mit ihnen können sie sich verwandeln, flache Sportschuhe stehen für Lässigkeit, hohe Stilettos wählt sie für den großen Auftritt und eine feminine Wirkung. Über kaum ein anderes Kleidungsstück wird aber auch derartig emotional debattiert, denn Männer haben eher selten Verständnis für den „Schuhtick“ der Frauen. Schuhe sind für ihn in der Regel nur funktionale Gebrauchsgegenstände und keine Objekte der Begierde. Oder sind das nur gängige Klischeevorstellungen? Und die Aufregung rund um Damenschuhe ein Sinnbild für stereotype weibliche Rollenbilder?
Christine Gallmetzer enthebt ihre Schuhe aus unserer schnelllebigen Konsumwelt und gängigen Vorurteilen und bannt sie auf die Leinwand. Es ist entscheidend, dass Gallmetzer nicht etwa die Fotografie oder den Film für ihr künstlerisches Experiment wählt, sondern die traditionellen Technik der Malerei.
Die Schuhe erfahren durch die Stilllegung der Malerei einen über den Moment hinausgehenden ästhetischen Wert. Sie werden zu autonomen Bildmotiven, so wie ein Stillleben, ein Portrait oder eine Landschaft. Das Anliegen barocker Stilllebenmaler war es, Gegenstände der Natur und des alltäglichen Lebens in ihrer Schönheit zu erfassen und wiederzugeben, aber auch eine verschlüsselte Botschaft, einen gedanklichen Inhalt zu vermitteln.
Gallmetzers Malereien sind Stillleben alltäglicher Objekte aus unserer Zeit. Und auch sie stehen nicht nur für sich. Die malerischen Vorbilder wurden gekauft und bereits getragen. Das hat Spuren hinterlassen – auch (oder besonders) auf der Leinwand: die Schuhe erzählen uns von den Frauen, denen sie gehören. Aus einer Massenware entsteht eine Fülle von malerischen Einzelstücken, individuell und unverwechselbar, verknüpft mit ganz persönlichen, sehr bewegenden Geschichten.